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BMW spricht sich gegen ABS-Pflicht für Motorräder aus

Dieses Thema im Forum 'Benzingespräche' wurde von localhorst gestartet, 5 November 2008.

  1. love800

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    Aber das klingt doch intelligent - nicht? Andere tun immer so, als wäre es ein Allheilmittel. Ich bin froh, und viele andere auch, dass endlich mal ein Vertreter der Motorrad-Industrie mit dem Verbreiten dieses Irrglaubens aufgeräumt hat.

    Im Rahmen der Kampagne des Bundesrats hatte das sogar dazu geführt, dass öffentlich verbreitet wurde, das ABS an Motorrädern das Bremsen in Kurven erleichtern würde. Keine einzige Meldung wurde bis heute korrigiert.

    Allerdings hast Du den zweiten Satz von Hendrik von Kuehnheim unterschlagen, er sagt ja, dass ABS an Motorrädern "nicht immer die technisch optimale Bremsen-Technologie“ sei. Sein Vorgänger hatte immer das Gegenteil behauptet.
  2. Sunset

    Sunset

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    Natürlich ist es das nicht, es gibt wie überall im Leben gute und weniger gute Systeme, insbesondere was den möglichen Bremsweg anbelangt. Trotzdem wirkt es in Notsituationen als Sturzverhinderer wegen überbremstem Vorderrad, insbesondere bei kritischen Fahrbahnverhältnissen. Und das ist im Ernstfall mehr wert als jede High-End Supersportbremse mit unter Laborbedingungen genialen Verzögerungswerten.
  3. love800

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    Aha. Es verhält sich also so, dass es gutes ABS an Motorrädern gibt, und weniger gutes. Wer beispielsweise aufmerksam die Berichterstattung in der MO verfolgt, der weiß schon seit langem über die Redakteure CG und MS, wie die damit schon in die Bredoullie gekommen sind. Und da geht es gar nicht mal um die allseits bekannte Hebelblockade.

    Tja. Alles was mich stört, das sind diese Verallgemeinerungen. Weil irgendjemand ABS braucht, sollen es gefälligst auch alle anderen brauchen. Da bin ich dem Leiter von BMW Motorrad, dem Hendrik von Kuehnheim, sowas von dankbar, dass er sich als Vertreter der Motorrad-Industrie gegen diese Pflicht zum ABS gewehrt hat.

    Ich bin auf Glatteis geflogen. Glatteis, das finde ich schwierig. Plötzlich war dieses Eis da, von der einen auf die andere Sekunde. Hab' die Maschine lange gehalten, hat hinten rumgemacht wie ein Fisch an der Angel, bis ich sie weggeworfen habe. Hätte mir da ABS genutzt? Sprich: Null Bremskraft?

    Für mich ist Hendrik von Kuehnheim ein echter Held. Mir tut nur leid, was die Haupaktionärin da gerade für einen Imageschaden hat. :lol:
  4. Sunset

    Sunset

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    Richtig, das ABS hätte Dir auf der Eisfläche null Bremskraft zur Verfügung gestellt. Und wenn es nur eine begrenzte Fläche gewesen ist, hätte es danach sofort wieder voll gebremst. Aber: Du wärst mit einiger Wahrscheinlichkeit durch die Eigenstabilität (Kreiselkräfte) der rotierenden Räder nicht abgeflogen, auch wenn die Seitenführungskräfte beider Reifen auf diesem Untergrund gegen null tendieren.
    Allerdings reden wir bei Glatteis über eine Extremsituation, in der selbst Zweispurfahrzeuge arg in Schwierigkeiten geraten und ganz fix ins Grüne abfliegen. In solch einer Situation braucht man imho immer Zweierlei: Gute Nerven und eine ordentliche Portion Glück!
    Und um die Hauptaktionärin mach Dir mal keine Gedanken, die hat mom. ganz andere Sorgen...
  5. love800

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    Also ich kann aus eigener Erfahrung berichten, dass Glatteis null Bremskraft liefert. Das Abfliegen kann übrigens die einzige Möglichkeit sein, nicht ungebremst einzuschlagen. Das ist nebenbei auch meine Kritik an vielen ABS-Verherrlichungen: Ob es großartig ist, mit einer durch ABS abgebremsen Restgeschwindigkeit von 50 km/h auf einen PKW einzuschlagen, oder mit 50 Km/h auf dem Asphalt herumzurutschen und im Straßengraben liegen zu bleiben, das wird der Einzelfall entscheiden und nicht die Propaganda oder der Glaube. Soviel ist jedenfalls sicher!

    Es ist aber wirklich die einzige Situation, mit der ich bislang überfordert war. Man kann mir sogar vorwerfen, den Witterungsverhältnissen nicht angepasst gefahren zu sein. Auf 1.400 Metern hat man Mitte Dezember jederzeit mit Eis, Regen und Schnee zu rechnen, nicht? Vielleicht ist man auch ein Idiot, dann und da zu fahren...

    Glück hatte ich in jedem Fall, der Pfeiler hat mir das Bein nicht abgerissen, eine schöne Narbe als Erinnerung habe ich an diesen Vorfall.
  6. Sunset

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    Wenn Du es schaffst, schliddernder Weise in den (hoffentlich unbeplankten) Straßengraben zu rutschen ist das sicher die bessere Variante, ganz klar! Aber wer kann sein nach dem Sturz in 90 Grad Schräglage rutschendes Bike schon noch steuern, von der Gefahr im Gegenverkehr zu enden mal ganz abgesehen? Außerdem bringt die dabei auftretende Gleitreibung deutlich weniger an Verzögerung als ein bis zum Aufschlag mit Haftreibung aufrecht gebremstes Motorrad, das dank ABS nicht zum Sturz gekommen ist (max. 10 m/s^2 gegen geschätzte 3...4 m/s^2).
    Evtl. hat man mit ABS situationsabhängig sogar noch die Möglichkeit, am Hindernis vorbei auf der Grasnarbe weiter zu bremsen und evtl. doch noch ohne Blessuren zum Stehen zu kommen. Aber auch dazu braucht es Glück, gute Nerven und fahrerisches Können, keine Frage. Das ABS allein kann hier nur einen kleinen aber wichtigen Beitrag leisten: Nicht zu stürzen! Nicht mehr und nicht weniger.
  7. love800

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    @Sunset

    Es ist so, wie Du darstellst: Es kommt darauf an. Zum einen, auf die konkreten Umstände der Fahrsituation, zum anderen auf die konkrete Fahrkompetenz (Reaktionsvermögen, Stresstoleranz, Routine). Ich habe nie etwas anderes dargestellt: Es ist eine Lebenserfahrung, dass das Reaktionsvermögen im Alter deutlich nachlässt. Es ist auch eine Lebenserfahrung, dass Saisonfahrer das Motorradfahren immer neu erlernen müssen. Und dass Wenigfahrer niemals Routine bekommen werden. Jede Hilfe, sei es ABS, sei es ASR, was weis ich, hat einen Grund.

    Und ich verstecke mich nicht umsonst hinter den Erfahrungen der MO, also der Redateuere MS und insbesondere auch CG. Letzterer ist dermaßen abgetörnt vom ABS der F-Modelle, das wird nur noch durch den Ärger von MS übertroffen. Die kommen in der Praxis ihres Motorradfahrens mit dem ABS der F-Modelle in die Bredoullie, konkret: In Gefahr. Regelmäßige Leser kennen die Geschichten in der Zeitschrift und deren Äußerungen im Internet.

    Was sagt das aus? Dass das ABS Scheiße ist? Vielleicht, ich will mich da nicht aus dem Fenster lehnen (Hebelblockade finde ich z.B. voll daneben). Aber es sagt doch ganz klar aus, dass ABS nicht für jeden Motorradfahrer taugt. Weil er damit eben in die Bredoullie kommen kann. Es gibt bei BMW Motorrad eine Historie von Vorfällen, die mit ABS passieren, aber mit jeder anderen Bremsanlage nicht. Nur mal als Schlagwort: Die Ausheberegelung, die einem jede Passabfahrt versauen kann. Erstaunlicherweise hatte sich damals sogar der Chefredakteur der Zeitschrift MOTORRAD im Leitartikel sowas von aufgeregt, das war schon beachtlich.

    Die Bewertung sieht also für jeden anders aus. Man kann also nicht sagen: Jeder braucht ABS und jeder muss ABS haben. Daher ist doch die Entscheidung von Hendrik von Kuehnheim so heldenhaft, mal tacheles zu reden und den Bürokraten ins Handwerk zu pfuschen.

    ABS ist für Leute, die es haben wollen. Punkt. Mein Ratschlag ist, ein Motorrad mit ABS vor dem Kauf in allen relevanten Fahrsituationen zu prüfen, damit es nicht zu Ärger in der Praxis nach dem Kauf führt.