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Bridgestone BattleWing

Dieses Thema im Forum 'Test- & Erfahrungsberichte sowie Tipps & Tricks' wurde von Doc Holliday gestartet, 11 September 2008.

  1. Doc Holliday

    Doc Holliday

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    Erfahrungen mit dem Bridgestone BattleWing

    Um es von vorne herein klar zu stellen. Wenn ich mit meinem Bruder Motorrad fahre, dann hat das ml o überhaupt gar nix mit Sightseeing zu tun. Selbst wenn wir uns auf bezahlbare Verkehrsüberschreitungen verständigen, geht es auf der Hausstrecke spätestens nach einem Kilometer nur um eines – Wer wird als erster an der Bushaltestelle sein.
    Jahrelang, wirklich jahrelang habe ich ständig seinen Staub fressen müssen. Ich habe es mit allen Waffen versucht. Alles was mein Budget hergab habe ich in Motorräder und vor allem in passende Reifen investiert.
    Das alles sollte jetzt ein Ende finden. Pah, dann kaufe ich mir ne BMW Geländemaschine. Fahr doch wie Du willst, dafür kann ich Reisen und Querfeldein fahren. Mir doch egal.

    Zur Zeit ist mein Bruder mit einer Triumph Speed Triple unterwegs. Ein serienmäßiger Landstraßenfighter, der in jedem Winkelwerk für allen Scheiß zu haben ist. Und wieder reichen meine guten Vorsätze nicht aus. Eingangs Feldertal wird der Gashahn gespannt und das Messer zwischen die Zähne genommen.

    Die erste links ist schon mal prima. Ich lege die F in die Kurve und schaue erst einmal was passiert. Nichts. Wie mit jedem anderen Mopped pflüge ich da durch. Es hat nichts aufgesetzt, aber mein Gehirn meldet eine nicht unerhebliche Schräglage. Weiter geht es durch eine Kurvengewürm. Vorbei an zwei drei Dosen. Als ich auf der Gegenfahrbahn einen Treker erkennen ist es schon fast vorbei. Vor mir erschreckt sich eine Dosenfahrerin und latscht voll in die Eisen. Mit jedem anderen Motorrad hätte ich hier vermutlich einen weiteren Abflug gemacht. Ich ziehe nun selbstständig den Bremsfallschirm und, oh Wunder, es rattert an allen Hebeln und ich bleibe noch locker zwei Meter vor dem Kofferraum stehen. Kein Überschlag, und vor allem kein Einschlag.

    Weiter geht es durch eine lange rechts. Hier hat es mich mal mit ein paar Pilot Power besohlt gelegt. Die Angst fährt immer noch mit aber hier und jetzt geht es ums Prinzip. Ich liege vorne und das gilt es zu verteidigen. Der Gaszug bleibt gespannt und ohne Probleme pfeile ich durch diese Kurve. Was folgt sind Kleinigkeiten und einige lange Strecken zum überholen. Dann kommt diese kleine Siedlung. Der Asphalt ist eine von mehreren Winteraufbrüchen gesegnete Katastrophe. Hinter mir klebt mir die Tripple am Heck und vor mir einer dieser Gebückten mit seiner R1. Hier, in diesem Gewürm von engen Kehren, teilweise steil bergauf, auf diesen mit Schlaglöchern übersäten Streckenabschnitt, hier werde ich sie abledern. In einer der engen 180° Rechtskurven blase ich innen an der R1 vorbei. Ich lege meine 800 GS anschließend noch drei mal rechts wie links um und die Beiden hinter mir verschwinden aus den Spiegeln. Vorbei ist es mit der Vormachtsstellung. Alles was mehr als zwei Zylinder hat kann hier einpacken. Kindergeburtstag war gestern, ab heute gewöhnt ihr Euch alle mal an den Anblick einer 800GS. VON HINTEN.

    Oben an der Bushaltestelle stelle ich die Kleine ab. Der Motor knistert und zischt. Ich streife die Handschuhe ab und hänge den Helm an den Außenspiegel. Dann höre ich die Tripple und wie ich sehe, hat er den Gebückten auch noch vernascht. Dieser bleibt kurz stehen und beschimpft uns als Verkehrsraudies. Als er endlich abhaut schaut mich mein Bruder an. Die nächsten 12 Kilometer muss ich Tripple fahren. Er will auch mal vorne fahren und nimmt meine GS.

    Spaß beiseite. Kommen wir jetzt mal zum objektiven Teil des Bridgestone BattleWing. Grundsätzlich ist er für die Straße, also Onroad, gemacht. Die Profilierung deutet aber auch Einsatzmöglichkeiten Offroad an. Auf trockener Fahrbahn habe ich keine Probleme festgestellt. Die GS zieht ihre Bahn so wie ich sie anpeile. Kurskorrekturen macht sie, wenn es denn mal sein muss, ebenso mit. Da ich in der Kurve selten bremse, kann ich zu einem merklichen Aufstellmoment keine Angaben machen. Ich kann mich aber auch nicht an eine wirkliche Überraschung erinnern. Die Haftung ist mehr als gut. Ich fahre nun nicht auf der allerletzten Rille, aber bis drei Millimeter vor der Kante passiert nix. Es rutscht nicht und ich kann auch schon im Kurvenscheitel den Gaszug spannen. Aufgefallen ist mir eine gute Eigendämpfung. Auf der A5 bei Darmstadt besteht die Autobahn nicht aus einer geschlossenen Asphaltdecke sondern aus aneinander gereihte Betonplatten. Während andere hier wie ein Jockey im Sattel sitzen, brauchen meine Federelemente kaum arbeiten. Das meiste schluckt schon der Reifen. Die Haftung zeigt beim Bremsen ihre Grenzen. Und das ist gut so. Superhaftkleber würden nämlich einen möglichen Überschlag provozieren. Auch mehrere Gewaltbremsungen führen mit dem BattleWing nicht zu einem solchen Ergebnis.

    Im nassen ist die Haftung nicht sooooo berauschend. Da trumpfen andere Reifen mit mehr Silicaanteilen besser auf. Aber auch hier kann man es sehr flott angehen. Aber wer fährt schon gerne im Regen am Limit?

    Im Gelände war ich natürlich auch. Feld- Wald- und Wiesenwege gehen immer. Im nassen Lehm ist ein Vorwärtskommen schon bescheiden. Da ist viel Gefühl am Quirl gefragt und auf gar keinen Fall sollte man im tiefen Sand stecken bleiben. Grip baut dieser Reifen da nicht auf.

    Nach nun 5600 km stelle ich fest, dass der Reifen diese Entfernung auch noch mal schafft.

    Mein Fazit. Der Bridgestone BattleWing ist ein Straßenreifen. Reisen, Spaß haben und glücklich sein. Die etwas grobere Profilierung schützt auf Schotter und im sehr leichten Gelände vor Plattfüßen, mehr aber auch nicht. Mal sehen wohin meine Interessen gehen. Zur Zeit habe ich das dringende Bedürfnis im Dreck zu spielen und da brauche ich einen anderen Reifen. Sollte sich das wieder geben, dann ist der Battle Wing keine schlechte Wahl.